Was DAC8 verlangt. Und was das für dich heißt.
Betroffen bist du, wenn du Kryptowerte über einen Anbieter wie eine Börse, einen Broker oder eine App kaufst, verkaufst oder verwahren lässt. Wer nur selbst verwahrt und nie einen Anbieter nutzt, wird nicht gemeldet.
Was ans Finanzamt geht. Was beim Anbieter bleibt.
Nach dem Krypto-Meldepflichtgesetz meldet der Anbieter jedes Jahr ans Finanzamt, beginnend mit 2026. Die Einzelheiten behält er, die meisten schon wegen der Geldwäschevorschriften.
Geht ans Finanzamt
- Name, Anschrift und Geburtsdatum
- Steuerwohnsitz und Steuernummer
- je Kryptowert die Jahressummen für Kauf, Verkauf, Tausch und Übertragung: Wert in Euro, Stückzahl und meist die Anzahl der Vorgänge
- Übertragungen auf Wallets ohne bekannten Anbieter, in der Regel auch deine eigene: als Summe, ohne Wallet-Adressen
- auch Vorgänge, die steuerlich meist keine Rolle spielen, etwa der Tausch von Krypto gegen Krypto
Aufbereiten muss der Anbieter diese Meldedaten für alle Kunden, auch für jene, die am Ende nicht gemeldet werden. § 20 Abs. 1 Krypto-MPfG
Bleibt beim Anbieter
§ 21 FM-GwG, Verordnung (EU) 2023/1113
- dein Ausweis und die Unterlagen aus der Identifizierung
- Wallet-Adressen, auch die deiner eigenen Wallet
- einzelne Transaktionen mit Zeitpunkt und Betrag, bei Übertragungen auch Absender und Empfänger
- dein Kontostand
Für DAC8 nimmt der Anbieter Steuernummer und Steuerwohnsitz zu diesen Unterlagen dazu.
Wer deine Daten wie lange speichert
Jedes Jahr kommt eine Meldung dazu, und die längste Frist beginnt erst, wenn du dein Konto schließt.
| Wer | Was | Wie lange |
|---|---|---|
| Dein Anbieter | Ausweis, Wallet-Adressen und einzelne Transaktionen | derzeit bis zehn Jahre nach Ende der Kundenbeziehung § 21 FM-GwG |
| Dein Anbieter | jede Jahresmeldung | zehn Jahre nach dem Meldejahr, dann wird sie gelöscht § 20 Abs. 4 Krypto-MPfG |
| Steuerbehörde eines anderen EU-Staats, etwa Deutschland | die Jahresmeldung, wenn du dort steuerlich ansässig bist | mindestens fünf Jahre, eine Höchstfrist nennt die Richtlinie nicht Art. 22 Abs. 3 DAC |
So läuft die Meldung
DAC8 ist eine EU-Richtlinie: Sie weitet den automatischen Austausch von Steuerdaten zwischen den EU-Staaten auf Kryptowerte aus. Österreich setzt sie mit dem Krypto-Meldepflichtgesetz um, das seit 1. Jänner 2026 gilt.
Richtlinie (EU) 2023/2226, BGBl. I Nr. 96/2025
- 2026 Dein Anbieter zeichnet das erste Meldejahr auf und bereitet die Meldedaten für alle Kunden auf. § 20 Abs. 1 Krypto-MPfG
- bis 31. Juli 2027 Er meldet das Jahr 2026 ans Finanzamt in Österreich. § 19 Abs. 2 Krypto-MPfG
- bis 30. September 2027 Wohnst du in Deutschland oder einem anderen EU-Staat, gibt Österreich die Meldung dorthin weiter. § 21 Krypto-MPfG
- jedes Jahr Danach wiederholt sich das für jedes Jahr aufs Neue.
Häufige Fragen
Wird meine Wallet-Adresse gemeldet?
Nein, Wallet-Adressen stehen nicht in der Jahresmeldung. Gemeldet werden aber Wert und Stückzahl von Übertragungen an Wallet-Adressen, von denen der Anbieter nicht weiß, dass sie zu einem anderen Anbieter gehören, als Summe. Darunter fällt in der Regel auch deine eigene Wallet. Die Wallet-Adresse und ihr Bezug zu dir bleiben nach den Geldwäschevorschriften trotzdem beim Anbieter gespeichert.
Lässt sich aus der Meldung mein Vermögen ablesen?
Nicht direkt. Gemeldet werden Jahressummen, kein aktueller Bestand und kein Gesamtvermögen. Deinen Kontostand kennt der Anbieter aber, und über die Jahre zeigen die Meldungen, wie viel du bewegst. Wer sie mit dem Kontenregister und Blockchain-Analyse oder, nach einem Datenleck, mit Anbieteraufzeichnungen zusammenführt, kann ein detailliertes Bild der Vermögensverhältnisse gewinnen.
Was ist mit Käufen und Verkäufen vor 2026?
Sie werden nicht nachgemeldet. Der erste Meldezeitraum beginnt am 1. Jänner 2026. Eine rückwirkende Meldepflicht bräuchte ein neues Gesetz; weder DAC9 noch der aktuelle Vorschlag für eine Neufassung der Richtlinie sehen das vor. Beim Anbieter liegen ältere Transaktionen trotzdem: Seit 2020 verlangen die Geldwäschevorschriften, sie derzeit bis zehn Jahre nach Ende der Kundenbeziehung aufzubewahren.
Ich wohne in Deutschland. Wer bekommt meine Daten?
Bei einem Anbieter mit Meldepflicht in Österreich geht deine Jahresmeldung zuerst ans österreichische Finanzamt, und Österreich gibt sie bis 30. September an Deutschland weiter, weil du dort steuerlich ansässig bist. Anbieter in Deutschland oder einem anderen EU-Staat melden dort; die Daten landen ebenfalls bei der deutschen Steuerverwaltung. Was ein Staat aus dem Austausch erhält, muss er laut Richtlinie mindestens fünf Jahre aufbewahren; eine feste Höchstfrist nennt sie nicht. Ausweis, Wallet-Adressen und einzelne Transaktionen bleiben beim Anbieter.
Was ändert die Beschwerde für mich?
Vorerst nichts: Die Datenerfassung läuft während des Verfahrens weiter. Wir sind überzeugt, dass die Erfassung aller Kunden gegen Grundrechte verstößt. Die Datenschutzbehörde ist an die Gesetze gebunden und darf sie nicht auf ihre Vereinbarkeit mit Verfassungs- oder Unionsrecht prüfen. Diese Frage liegt daher bei den Gerichten, auch die Frage, ob der Fall zum Europäischen Gerichtshof kommt. Wie lange das dauert und wie sich Privatpersonen beteiligen können, klären wir noch.
Wie erkenne ich Phishing mit der Meldepflicht?
In Österreich kursieren schon gefälschte FinanzOnline-Nachrichten, die unter Verweis auf neue Krypto-Steuerregeln nach deinen Beständen fragen. Das Finanzamt fragt nicht per E-Mail oder SMS danach. Niemand, der seriös ist, verlangt, dass du eine Wallet verbindest oder deine Wiederherstellungsphrase eingibst, also die Wörter, mit denen sich eine Wallet wiederherstellen lässt. Die Daten für DAC8 meldet dein Anbieter selbst. Sprich zurückhaltend über deine Bestände, auch im Bekanntenkreis und in sozialen Medien. Warnung der Watchlist Internet
Bedeuten DAC9 und DAC10 noch mehr Krypto-Überwachung?
Nicht automatisch. DAC9 betrifft die Mindestbesteuerung großer Unternehmensgruppen, nicht einzelne Krypto-Nutzer. Die im Juni 2026 vorgeschlagene Neufassung der Richtlinie, oft DAC10 genannt, ist noch kein geltendes Recht und führt die bisherigen Krypto-Felder fort.
Begriffe
Gepunktet unterstrichene Wörter erklären sich beim Antippen. Hier stehen alle von A bis Z.
- Anbieter Im Gesetz Anbieter von Krypto-Dienstleistungen: Börsen, Broker und Apps, bei denen du Kryptowerte kaufst, verkaufst oder verwahren lässt, auch Banken mit Krypto-Angebot. Sie melden für DAC8.
- DAC8 Eine 2023 beschlossene Änderung der EU-Richtlinie über die Zusammenarbeit der Steuerbehörden (2011/16/EU). Sie weitet den automatischen Austausch von Steuerdaten auf Kryptowerte aus.
- FM-GwG Das Finanzmarkt-Geldwäschegesetz. Es verlangt die Identitätsprüfung und die Aufbewahrung von Ausweis- und Transaktionsunterlagen, derzeit bis zehn Jahre nach Ende der Kundenbeziehung.
- Honeypot Ein Datenbestand, der so viel Wertvolles an einer Stelle sammelt, dass er Angreifer anzieht.
- Jahresmeldung Was der Anbieter für DAC8 jedes Jahr ans Finanzamt schickt: Name, Anschrift, Steuerwohnsitz, Steuernummer, Geburtsdatum und Jahressummen je Kryptowert. Wallet-Adressen und einzelne Transaktionen stehen nicht darin.
- Krypto-MPfG Das Krypto-Meldepflichtgesetz, mit dem Österreich DAC8 umsetzt, in Kraft seit 1. Jänner 2026. Es verlangt zusätzlich, die Meldedaten für alle Kunden aufzubereiten.
- KYC Know Your Customer: die Identitätsprüfung, wenn du bei einem Anbieter ein Konto eröffnest, etwa mit Ausweis und Selfie. Die Regeln gegen Geldwäsche verlangen sie, und der Anbieter bewahrt die Unterlagen derzeit bis zehn Jahre nach Ende der Kundenbeziehung auf.
- Selbstverwahrung Englisch Self-Custody: Du hältst die Schlüssel zu deinen Bitcoin selbst, etwa auf einer Hardware-Wallet, statt sie bei einem Anbieter liegen zu lassen. Wie bei Bargeld daheim muss niemand eine Übertragung freigeben.
- Travel Rule Die EU-Geldtransferverordnung: Bei jeder Krypto-Übertragung erfasst der Anbieter Angaben zu Absender und Empfänger, auch wenn du auf deine eigene Wallet überträgst.
- Wallet Ein Programm oder Gerät, das die Schlüssel zu deinen Kryptowerten verwaltet. Lässt du sie bei einem Anbieter, hält er die Schlüssel für dich.
- Wallet-Adresse Eine Zeichenfolge wie bc1q…, an die man Bitcoin schicken kann, ähnlich einer Kontonummer. Zahlungen an eine Adresse sind auf der Blockchain öffentlich. Nicht zu verwechseln mit deiner Wohnadresse.
- Wiederherstellungsphrase Meist 12 oder 24 Wörter, mit denen sich eine Wallet wiederherstellen lässt. Wer sie kennt, kann die Bitcoin übertragen. Gib deine Wiederherstellungsphrase niemals weiter.
Quellen
Das Dossier stützt sich auf Gesetze, EU-Recht, Urteile und Berichte. Stand der Recherche: 30. September 2026. Quellen zur Entwicklung von 1977 bis zur Neufassung stehen in der Geschichte der DAC.
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Österreichisches Gesetz
- Krypto-Meldepflichtgesetz, BGBl. I Nr. 96/2025
- § 18 Krypto-MPfG: welche Daten gemeldet werden
- § 20 Krypto-MPfG: Verarbeitung für alle Kunden, Löschung
- § 39 Krypto-MPfG: Aufbewahrung der Dokumentation
- § 5 GMSG: fünf Jahre bei Bankkonten
- § 24 DSG: Beschwerde und Fristen
- § 21 FM-GwG: Aufbewahrung von Identifizierungs- und Transaktionsunterlagen
EU-Recht
- Richtlinie (EU) 2023/2226 (DAC8)
- Verordnung (EU) 2023/1113: Angaben zu Absender und Empfänger bei Krypto-Übertragungen
- Richtlinie (EU) 2024/1640, Art. 16: Kontenregister und ihre EU-weite Vernetzung
- MiCA, Art. 68 Abs. 9: Aufbewahrungsfristen
- Verordnung (EU) 2025/1140: Anbieteraufzeichnungen mit Blockchain-Bezug
- Folgenabschätzung der EU-Kommission zu DAC8, SWD(2022) 401
- Richtlinie (EU) 2025/872 (DAC9)
- Kommissionsvorschlag COM(2026) 308: Neufassung der Richtlinie
- EU-Kommission: Überblick zum DAC-System
- EU-Machbarkeitsstudie zu einem europäischen Vermögensregister
Gerichte
Zahlungsprofile
Datenlecks, Angriffe und Betrug
- Watchlist Internet: Phishing im Namen von FinanzOnline fragt nach Krypto-Beständen
- Watchlist Internet: FinanzOnline-SMS fragen massenhaft nach Kryptokonten
- Abramova und Böhme (Universität Innsbruck, 2023): Folgen des Ledger-Datenlecks für Betroffene
- Waltio: Sicherheitsvorfall beim Krypto-Steuerdienst
- Französische Finanzverwaltung: Zugriffe auf das Kontenregister FICOBA, Februar 2026
- Französisches Wirtschaftsministerium: Datendiebstahl aus dem Steuersystem, August 2026
- Disziplinarkommission beim BMF: tausende private Abfragen im Steuersystem
- Französisches Innenministerium: Schutz privater Krypto-Besitzer
- Gendarmerie nationale: Waltio-Datenleck und Auswahl von Angriffszielen
- Coinbase, Form 8-K: Kundendaten von bestochenen Support-Mitarbeitern kopiert, Mai 2025
- Gendarmerie nationale: Datenlecks als Faktor bei Krypto-Entführungen
- Gendarmerie nationale: Entführung von David Balland und seiner Partnerin, Januar 2025
- Jameson Lopp: Known Physical Bitcoin Attacks (Sammlung mit Quellenlinks)